Vietnam ist für uns eins der hochentwickeltsten und modernsten Länder Indochinas, welches sich rasant an die westliche Welt anpasst. Umso mehr ist man auf der Suche nach dem eigentlichen Vietnam, der Kultur und Geschichte – und zwar vor dem überall bekannten Vietnamkrieg. Wer sich dafür interessiert, sollte den Besuch von Hue, dem historischen Machtzentrum der Nguyen-Dynastie, nicht verpassen. Alte hohe Mauern am Ufer des Parfümflusses, schützen die Überreste des alten Kaiserpalastes, Jahrhunderte alte Pagoden erstrecken sich entlang des Ufers und im Umland befinden sich die gigantischen, prunkvollen Grabstätten der mächtigen Kaiser. Wir haben zwei Tage in Hue verbracht und die alte Kaiserstadt und Umgebung erkundet.

Hue-Stadt

Die Stadt Hue befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Parfümflusses und der alten Kaiserstadt. Das Stadtbild wird durch ältere renovierungsbedürftige Häuser und im Gegensatz dazu stehende schicke Hotelbauten bestimmt. Im Vietnamkrieg durch die Nordvietnamesen und anschließend durch die USA weitestgehend zerstört, kann man die damalige prunkvolle Schönheit nur noch erahnen. Hue hat sich zu einer richtigen Touristenstadt entwickelt. Viele Straßen, besonders die Gassen in der Nähe von der D Le Loi und D Vo Thi Sau sind von westlich-vietnamesischen Restaurants, Bars und Hotelketten geprägt. Am Flussufer befindet sich ein kleiner Park mit Fitnessgeräten, Bars, auf dem Wasser schwimmende Restaurants z.B. in Form von einer Seerose und kleine bunte Drachenboote, die auf die Touristen warten, um auf dem Parfümfluss durch das Wasser zu gleiten.

Besonders hat uns die Stadt auch bei Nacht gefallen. Die große Brücke, die Hue-Stadt mit dem Gebiet der Kaiserstadt verbindet, wird in verschiedenen Farben beleuchtet. Unterhalb dieser Brücke tummeln sich in den Abendstunden viele Menschen und genießen auf dem Nachtmarkt das lokale Speisenangebot. Alle zwei Jahre (gerade Kalenderjahre) findet ein großes Festival statt, zudem sich auch viele internationale Künstler gesellen. Es wird an die damalige Zeit unter der Kaiserdynastie erinnert und an die Opfer des Vietnamkriegs gedacht.

Die Zitadelle

Der Nguyen-Dynastie entstand unter Kaiser Gia Long zu Beginn des 18. Jh. und vereinte Nord- und Südvietnam in einem Kaiserreich. Geschützt durch eine 30 m breiten und 4 m tiefen Wassergraben wurde innerhalb von 30 Jahren eine 2 m dicke, 10 km lange Steinmauer errichtet. Diese Zitadelle beinhaltet die alte Kaiserstadt, einen Militärstützpunkt, kaiserliche Gärten sowie die Purpurstadt, die als „Verbotene Stadt“ galt. Zehn Eingangstore führen in die Zitadelle, doch nur an einem der 4 Tore der zweiten Mauer, die die Kaiserstadt umschließt, gelangt man in die UNESCO Welterbestätte.




Auf dem Weg zu Kaiserstadt werdet ihr an einem Militärmuseum vorbei kommen, in dem noch alte Kriegsrelikte besichtigt werden können. Schon von außerhalb könnt ihr einige der Vietnamesischen Flugzeuge und Panzer bestaunen. Das Haupteingangstor zur alten Kaiserstadt befindet sich an der Südseite. Beabsichtigt ihr ebenso die Kaisergräber außerhalb der Stadt zu besichtigen, lohnt es sich für ca. 360 000 VND ein Kombiticket zu kaufen. Ansonsten werden  Ticketschalten für den Kaiserpalast 150 000 VND verlangt. Gegenüber dem bunten verzierten Eingangstor, befindet sich die nur von außerhalb zu sehende Mang-Ca Festung (Flag Tower), die noch heute als Militärstützpunkt dient.

Die Kaiserstadt

Das große Eingangstor eröffnet euch den Zugang zur 2,5 km² großen Kaiserstadt. Von den 148 Häusern, zur Prunkzeit im 19. Jh. wurde der Großteil im Indochina- und Vietnamkrieg zerstört. Gerade einmal 20 Gebäudeüberreste sind noch zu besichtigen, die sich in ständiger Renovierung befinden. Sehr prunkvoll wirkt die zerfallene Stadt nicht mehr, man hat es schwer, sich hier das prachtvolle Kaiserleben vorzustellen. Das schönste Gebäude ist unserer Meinung nach das Eingangstor Meridian Gate (Ngo-Mon). Nur der Kaiser durfte den Mittelweg des Tores durschreiten sowie den „Lotusblütenweg“ zwischen den zwei Teichen benutzen. Alle anderen mussten die Seiteneingänge und den Rundweg um den Teich folgen. Im Jahre 1945 musste der letzte Kaiser Bao Dai hier abdanken, als Ho Chi Minh die Stadt übernahm.

Anschließend stößt man auf den Thai-Hao-Palast (Thronsaal) – den Palast der höchsten Harmonie, der in den kaiserlichen Farben Rot und Gold glänzt. Die Säulen des Gebäudes bestehen aus Eisenholz. Das Gebäude wurde für Zeremonien und offiziellen Empfängen des Kaisers genutzt. Der Thron ist heute noch zur Besichtigung freigegeben. Wenn man ins Freie gelangt, steht man in einem großen Innenhof, der an beiden Seiten von mehreren Gebäuden begrenzt wird. Hier stand einmal die Halle der Mandarine. Die seitlichen Gebäude sind eine Art Pavillon, die kunstvolle Decken- und Wandmalereinen beinhalten. Hier findet ihr auch “The Mieu” einen Tempel der auf Anweisung des Kaisers Minh Mang in Anlehnung an den Taimiao Tempel der verbotenen Stadt in Peking gebaut wurde.

Nach diesen „Hauptgebäuden“ eröffnet sich ein weitreichendes Gebiet, welches zur östlichen Seite das Kaiserliche Theater beherbergt sowie die Co-Ha-Gärten. Das Theater ist eine Rekonstruktion des einstigen Gebäudes. Viermal täglich findet hier eine 30-minütige Theatervorführung für 200 000 VND statt. Wir haben uns das Stück nicht angesehen, fanden aber den Vorführungsraum sehr hübsch hergerichtet. Die sich um das Theater befindlichen kaiserlichen Gärten werden überall als besonders schön beschrieben. Vielleicht waren wir im April zur falschen Jahreszeit dort, aber wir konnten diese Schönheit leider nicht entdecken. Von der einst „Verbotenen Stadt“, auch „Purpurstadt“ genannt, ist heute nur noch die kaiserliche Bibliothek in gutem Zustand.

Als „verboten“ galt dieser Bereich der Kaiserstadt, da nur der Kaiser hier Zutritt hatte bzw. die Eunuchen als Bediensteten, da diese als Gefahrlos galten. Auf dem westlichen Gelände befinden sich noch viele andere Bauwerke, wie Pavillons und Tempel. Uns faszinierten die Dachverzierungen am Meisten. Detailliert wurden hier die Drachen renoviert und erstrahlen in neuer Farbpracht. Die Verzierungen und Dachgestaltung, stellen eine Mischung aus vietnamesischer und europäischer Architektur dar. Anschließend findet ihr als Impression ein paar weitere Ausschnitte des Kaiserpalastes:




Tagestour: Besichtigung der Thien Mu Padode und der kaiserlichen Gräber

Fast jeder Tourist entscheidet sich für eine malerische Bootsfahrt auf dem namentlich idyllisch klingendem Parfümfluss, die Besichtigung einer uralten Pagode und natürlich dürfen die kaiserlichen Gräber, die selbst schon fast kleine Städte darstellen, nicht fehlen. Man kann sich für 100 000 VND ein Motorrad leihen und die Bootsfahrt separat durchführen. Im DMZ Touristenbüro hingegen, wird eine Tagestour für heruntergehandelte 150 000 VND angeboten, die wir mit zwei mittlerweile sehr guten Freunden aus Polen unternommen haben.

Gegen 8 Uhr morgen wurden wir mit einem kleinen Bus vom Hotel abgeholt und zum Hafen gebracht. Mit einem mehr oder weniger gut englisch sprechendem Guide gleiteten wir in einem alten bunten Drachenbot dem Parfümfluss für ca. 20 Minuten entlang. Unser erster Halt war ein kleines traditionelles vietnamesisches Haus, das An Hien Garden House. Uns wurden die verschiedenen Räume dieses Hauses erklärt und zum Abschluss gab es noch grünen Tee, frisch aus dem Garten. Der Besuch versprach nicht wirklich interessant zu werden, da das Haus einfach ein kleines Holzhaus war.

Doch wir täuschten uns. Das Haus wurde von einer sehr traditionellen 96 alten Dame bewohnt, die einen Medizingarten um sich herum angelegt hatte und angeblich nie eine ärztliche Behandlung erfuhr. Nach einer kleinen Einführung in den Gebrauch des grünen Tees, erkundeten wir das Haus und den Garten. Verschiedene Obst- und Kräutersorten wurden uns vorgestellt und dem schnupfenden André die Limettenblätter als ätherischer Duftstoff und Medizin gegeben. Jackfrüchte, Orangen und Drachenfrüchte wurden in dem Garten angepflanzt. Außerdem überraschte uns der Guide mit einem Blatt einer Zimtpflanze (Bild rechts), deren Stiel die eigentliche Zimtsubstanz enthielt, die ebenfalls gut bei Erkältung wirken soll.

Die Thien-Mu Pagode

Anschließend fuhren wir mit dem Drachenboot zur Thien-Mu-Pagode, die sich 4 km in südwestlicher Richtung nach dem Kaiserpalast befindet. Auf einer kleinen Anhöhe führten Stufen, durch ein Säulentor hinauf zu einem Vorhof, indem ein siebenstöckiger, achteckiger Turm steht. Jedes der sieben Stockwerke des Thap Phuoc Duyen Turms wurde einer menschlichen Buddha-Reinkarnation geweiht. Zur rechten Seite des Turmes befindet sich ein kleiner Pavillon, mit einer riesigen Schildkröte, die ein Symbol für Langlebigkeit darstellt. Diese Schildkröte muss man Küssen und dann für ein langes Leben beten, so wie Nadine das im nachfolgenden Bild getan hat. Zur linken Seite des Turmes befindet sich eine riesige Glocke, die man angeblich 10 km weit hören kann.

Ein weiteres großes, bunt verziertes Tor mit drei Eingängen führt zum eigentlichen Tempel und Kloster. Die Eingänge werden jeweils von zwei bunten Figuren bewacht. Der weiße Mann auf der rechten Seite gewährt einen Zutritt, wenn man gute Absichten besitzt. Zur rechten Seite befindet sich eine dunkle Figur, die dir Fragen zum Überdenken stellen wird, falls du böse Absichten besitzt. Tritt man durch das Tor, gelangt man zum Tempel mit einem großen, dicken, lachendem Buddha.

Der dahinterliegende Garden ist ebenfalls eine Umrundung wert und viele Bonsaibäumchen verzieren den Weg zu einer Grabstätte. Auf dem Gelände tummeln sich auch einige Mönche, die in dem anliegenden Kloster beobachtet werden können. Das Klostergeländer wartet auch noch mit einer eher außergewöhlichen “Sehenswürdigkeit” auf. Es handelt sich hierbei um ein Auto in einer Garage. Mit diesem Austin hat sich ein Mönsch 1963 aus Protest gegen die Mönchsverfolgung des katholischen Diktator Ngo Dình Diem nach Saigon auf eine Kreuzung fahren, sich mit Benzin übergießen und anbrennen lassen. Nach der Besichtigung fuhren wir mit dem Bus zurück nach Hue zum Mittagessen. Ein reichliches Buffet erwartete uns, welches im Preis inklusive war.

Die Grabstätte Minh Mang Tomb

Gestärkt machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zur ersten Grabstätte von Minh Mang, welches sich 12 km von der Stadt befindet. Der Eintritt kostete leider zu jedem der drei Grabmäler 100 000 VND, was nach unserer Ansicht viel zu überteuert ist. Die Grabstätte wird von einem Fluss umgeben und beherbergt nach dem Eingangstor ein Grabmal und einen Stelenpavillon.

Hinter dem Stelenpavillion liegt ein Tempel, der Kaiser Minh Mang und seiner Gattin geweiht wurde. Von diesem Tempel aus, führt eine Treppe zu einer Brücke. Nur der Kaiser durfte diese begehen. Der dahinter befindliche Hügel ist das eigentliche Grab, welches mit einer Mauer und einem Tor umgeben ist. Nur einmal jährlich, zum Todestag des Kaisers, wird dieses Tor geöffnet. Laut unserem Guide, weiß niemand genau, wo sich das Grab befindet. Der Tote Kaiser wurde von zwei Männern in sein Grab transportiert, die sich selbst in das Grab einschlossen und das Geheimnis um den Standort des Grabes mit in den Tot nahmen.




Die Grabstätte Khai Dinh Tomb

Das Grabmal des vorletzten Kaisers von Vietnam (1916 bis 1925) Khai Dinh benötigte elf Jahre zur Erbauung. Von außen wirkt es grau und kalt, architektonisch aber eine Glanzleistung aus vietnamesischer und französischer Bauweise.Figuren von Kriegern säumen den Weg.

Das Innere des Hauptgebäudes ist hingegen das komplette Gegenteil: bunt verziert und detailliert, wirklich sehr schön anzusehen.  Unter eine Art Himmeldach, welches mit lachenden Drachen verziert wurde, sitzt eine Bronzestatur, die den damaligen Kaiser darstellt. 18 m darunter befindet sich die Grabkammer, mit den Überresten des Kaisers.

Die Grabstätte Tu Duc Tomb

Dieses Grab diente gleichzeitig zu Lebzeiten des Kaisers Tu Duc (19. Jh.) als Wohnstätte. Tu Duc war für seine verschwenderischen Ausgaben und seinen luxuriösen Lebensstil bekannt, so entstand auch das Grabmal unter den höchsten Kosten geldlicher Ausgaben und menschlichen Lebens. Der Kaiser liebte zudem Frauen über alle Maßen und nannte 104 Frauen sein Eigen, war hingegen aber nie imstande, ein Kind zu zeugen. Am Seeufer liegt der eigentliche Friedhof des Kaisers, der hier aber nie seine letzte Ruhe fand. Von einer Mauer umgeben sieht man zwar ein Grab, aber die Überreste und ein angeblich mit dem Kaiser begrabener Schatz, befinden sich an einer anderen geheimen Stelle. Um das Grab vor Grabräubern zu beschützen, köpfte man die 200 Diener, die ihn beerdigten.

Außerdem enthält die Anlage noch einen Tempel in dem der Thron des Kaisers ausgestellt wird. Im Pavillion auf dem See kannst du ebenfalls dem traditionellen Gesängen lauschen.

Anreise und Unterkunft

Vom Phong Nha Nationalpark haben wir einen Open Bus Nachtbus 4 Uhr morgens nach Hue genommen und erreichten unser Ziel gegen 8 Uhr morgens. Das Ticket hatten wir bereits in Hanoi für 260 000 VND gekauft. Von Hanoi direkt fahren ebenfalls die Nachtbusse für den gleichen Preis ab und halten auf Wunsch in Phong Nha.

Wir suchten in Hue lange nach einer preiswerten, sauberen Unterkunft und fanden schließlich eine auf der Chu Van An Street, direkt im Touristenviertel. Das „Hong Thien Backpacker Hotel“ besitzt zwar alte Möbel, aber einen kleinen Balkon und die Zimmer waren sehr sauber. Auch das Personal war äußerst zuvorkommen und hilfsbereit. Das Frühstück war sehr gut und man konnte sogar Früchte mit Joghurt wählen statt die verschiedenen Eivariationen. Sogar ein recht großer Swimmingpool in einem nah gelegenen Hotel konnte von uns mitbenutzt werden. Wir können das Hotel gern weiterempfehlen, denn für 290 000 VND ist das Preis-Leistungsverhältnis nicht zu toppen.




Fazit zu Hue

Hue ist eine kleine aber süße Stadt. Außer dem Kaiserpalast gibt es aber nicht viel zu sehen. Dieser hat uns auch etwas enttäuscht. Eigentlich erwarteten wir einen prunkvollen Palast für diesen hohen Eintrittspreis, aber wir fanden fast nur Bauruinen vor. Die gebuchte Tour war hingegen empfehlenswert. Das kleine traditionelle Haus fanden wir auch sehr interessant, die alte Pagode auch nicht ganz unansehnlich und die Gräber der Kaiser können wir je nach Interesse empfehlen. Trotzdem empfanden wir die Eintrittspreise sehr übertrieben. Unser Fazit lautet deshalb: Bei kulturellen Interesse und um etwas mehr über die frühere Geschichte, vor dem Krieg, über Vietnam zu erfahren, sollte man Hue nicht auslassen.

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