Keine Mauer ist zu hoch um überwunden zu werden. Zwischen Nord- und Südkorea existiert zwar keine wirkliche Mauer, aber eine Entmilitarisierte Zone (DMZ) – eine 2 km naturbelassenes Pufferzone die beide Seiten vor dem Gegenüber schützen soll. Eine Abgrenzung die Familien über Jahrzehnte auseinander hält und eine kalte, abgeriegelte Barriere zwischen zwei Ländern schafft, die eigentlich eins sein sollten.



Geschichte der Teilung in Nord- und Südkorea

Die Besetzung Koreas

Schon 1905, nach dem russisch-japanischen Krieg, wurde die koreanische Halbinsel von den Japanern besetzt. Fünf Jahre Später wurde Korea in das japanische Reich als Kolonie eingegliedert. Nach dem 2. Weltkrieg ergab sich Japan Russland und Amerika. Korea wurde wie Deutschland gespalten. Der Norden (bis zum 38. Breitengrad) wurde von der Sowjetunion besetzt und der Süden von den Amerikanern. Verhandlungen über ein vereinigtes Korea blieben zwischen den beiden Supermächten bis 1947 ohne Ergebnis. Die Koreafrage wurde vor den Vereinten Nationen gestellt. Freie Wahlen und der Abzug der amerikanischen und russischen Truppen sollte nach vertraglicher Vereinbarung erfolgen.

Die Teilung

Der Süden wählte Rhee Syng-man als Vorsitzenden der amerikanischen Militärregierung. Im Norden wurde die Demokratische Volksrepublik unter Kim Il-sung ausgerufen. Beide Regierungen beanspruchten ihre Legitimität über gesamt Korea. Daraufhin griff der Norden den Süden am 25. Juni 1950 an. Der Koreakrieg entstand. Mit Unterstützung der UNO und USA gelang es Südkorea die Nordkoreanischen Truppen zurückzutreiben. China unterstützte dabei Nordkorea – ein chinesisch-amerikanischer Konflikt entstand. Erst drei Jahre später, am 27. Juli 1953 kam es zur Unterzeichnung eines Waffenstillstandes. Seit dem wird dieser Scheinfrieden durch die Nordkoreaner immer wieder unterbrochen. Ab dem Jahr 2000 entstand eine entspannte Phase zwischen den beiden Ländern. Besuche Familienangehöriger zwischen beiden Seiten waren möglich und ein gemeinsamer Industriezweig an der Grenze entstand. 2008 wurde eine südkoreanische Frau von den Nordkoreanern bei einem Besuch erschossen und durch die Wahl des neuen Südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak, sind die Grenzen zu Nordkorea seitdem geschlossen.

Situation heute

Mit Ausnahme zu China hat sich Nordkorea absolut von dem Rest der Welt isoliert. Von Flüchtlingen aus Nordkorea, die Schlepper mit teuer Geld bezahlen, um in den Süden zu gelangen erfährt man einige Lebensumstände. Neben Essensmarken und strengen Regeln, soll die Bevölkerung in armen Verhältnissen und geringem Bildungsgrad leben. Elf Jahre Wehrpflicht für Männer wurden angesetzt und da Nordkorea zu wenig Nachwuchs erzeugt, müssen Frauen ebenfalls sieben Jahre zur Armee. Fakt ist, dass viele die es nach Südkorea schaffen bald wieder in den Norden zurückkehren. Man vermutet, dass die Familien der Flüchtlinge als Druckmittel eingesetzt werden, um die Flüchtlinge von der Rückkehr zu “überzeugen”. Dann läuft die Propagandamaschine der Nordkoreanischen Regierung an. Die “Rückkehrer” werden benutzt um den Menschen im Land von der „schrecklichen Welt“ außerhalb Nordkoreas zu erzählen.

Aber auch die Provokation nach außen geht weiter. Tests von Langstreckenraketen der nordkoreanischen Regierung provozieren die USA. Beide Seiten haben angekündigt, für einen Krieg bereit zu stehen, sollte sich einer der beiden Atommächte zu weit vorwagen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein bis die Situation eskaliert.




Unsere Erlebnisse bei der Tour

Imjingak Park (Nuri Friedenspark)

Der Friedenspark wurde 1972 für 5 Millionen Menschen geschaffen, die durch den Krieg ihr zu Hause verloren sowie für die Familien die sich durch die Spaltung des Landes teilen mussten. Als Zeichen, um den festen Wunsch nach Wiedervereinigung der Südkoreaner zu symbolisieren, steht auf dem Gelände der Mangbaedan Memorial Altar und eine riesige Friedensglocke.

Freedombridge

Die Friedensbrücke ist ein weiteres Symbol für den Willen zur Wiedervereinigung. Zum Abkommen des Waffenstillstandes im Jahre 1953 überquerten 12.773 Soldaten, die zuvor von den Nordkoreanern gefangen genommen wurden, die Brücke nach Südkorea. Vor der Zeit des Krieges wurde der Imjingang River von zwei Zugbrücken überspannt, die durch Bomben zerstört wurden. Als Notmaßnahme baute Südkorea eine provisorische Brücke aus Holz, die nur zu Fuß überquert werden konnte. Die „Hilfsbrücke“ ist 83 Meter lang, 45 Meter breit und 8 Meter hoch. Am Ende der Holzbrücke (beim Übergang zur neuen Zugbrücke) ist eine Mauer eingezogen, an der viele Fahnen mit Wünschen zum Frieden und Wiedervereinigung hängen.

Überall an den Drahtzäunen sind Gebetsbänder und Wunschzettel angebracht – Ein sehr bewegendes Bild für jeden Besucher. Der starke Wille für Frieden und ein gemeinsames Korea ist überall spürbar. Eine alte Dampflock, die im Krieg zerstört wurde, wurde ressortiert und steht als Symbol des Friedens auf dem Gelände. Von hier aus, könnt ihr den ersten Blick in die DMZ werfen.

Dritter Infiltration Tunnel + DMZ Theater

Im DMZ Theater konnten wir in einer kleinen Filmvorführung etwas zur Geschichte Koreas und den Tunnelbau der Norkoreaner erfahren. Trotz Waffenstillstandsvereinbarung über mehrere Jahre kam es bis heute nie zu einem Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea. Nordkorea schmiedete zudem des Öfteren Angriffspläne. So wurden im Laufe der Zeit vier Tunnel entdeckt, die von verschiedenen Ausgangspunkten in Nordkorea in Richtung Seoul gegraben wurden. In einer Stunde hätten bis zu 30.000 Soldaten durch diesen Tunnel geschleust werden können. Es wird auch damit gerechnet, dass noch weitaus mehr dieser Infiltrationstunnel bestehen. Mittlerweile wird seitens Südkorea nicht mehr nach Tunneln gesucht, da Nordkorea sich mehr auf Atomwaffen und andere Vernichtungsmittel konzentriert und das die wesentlich größere Bedrohung darstellt. Wir fanden die Vorführung und den Informationsgehalt trotzdem ziemlich gering und es ist besser ihr informiert euch im vorab über die Geschichte der Teilung.




Anschließend besichtigten wir den Dritten Infiltrationstunnel. Dieser wurde 1987 entdeckt und ist 1,95 Meter hoch, 1,6 km lang und 2 Meter breit. Wenn ihr euch für die Besichtigung des Tunnels entscheidet, dann solltet ihr keine Platzangst haben. Es geht 300 Meter tief in die Erde und der Aufstieg zurück verlangt einiges an Ausdauer. Im Tunnel dürfen keine Kameras und Handys mitgenommen werden.

Das Dora Observatorium

Das Dora Observatorium wurde 1986 für Touristen an der Grenze zur DMZ errichtet. Dieses Observatorium ist eigentlich die Hauptattraktion. Hier befindet ihr euch nämlich ziemlich nah zu Nordkorea. Bei klarem Wetter könnt ihr das Propaganda Dorf der Nordkoreaner sehen und 11 Uhr der Propagandarede lauschen. In diesem Dorf wohnen laut Aussage der Reiseleitung nur Soldaten. Die Häuser seien für nordkoreanische Verhältnisse auch besonders schön, um dem Süden ein Erfolgsbild der Nordkoreaner zu vermitteln. Jeden Tag gehen die Lichter nach dem gleichen Muster an und aus. Also alles nur Theater. Durch ein kostenpflichtiges Fernrohr (500 KRW) könnt ihr die beiden Fahnenmasten der Nordkoreaner und Südkoreaner sehen und auch die etwas weiter entfernte Stadt Gaesung.

Für uns war es ein aufregendes Gefühl in ein verbotenes Land zu blicken auch wenn wir es mit der Kamera nicht ganz so einfangen konnten. Wieviel man wirklich über das Leben in Nordkorea weiß ist fraglich. Auf den ersten Blick wirkt Nordkorea abgerodet und baumleer. Das Holzvorkommen wurde als Energielieferant benötigt und durch die Selbstisolation muss das Land alle Ressourcen nutzen.

Die Dorasan Station

Als Abschluss unserer Tour ging es zur Dorasan – Zugstation. Falls es zur Wiedervereinigung kommen sollte, kann man von hier aus schnell Güter und Menschen von und nach Nordkorea transportieren. Die Zugstation ist sehr modern, wirkt aber durch die Abwesenheit von Zugreisenden irgendwie gespenstig. Die Dorasan Station gilt als Symbol für die Wiedervereinigung.

Für 1.000 KRW könnt ihr euch ein Ticket lösen und auf der Unification  Plattform umsehen. Es gibt nicht viel zu sehen auf dem Bahnsteig, trotzdem habe ich jetzt für 1000 KRW ein Ticket von der Dorasan Station – ein tolles Souvenir. Wollt ihr dennoch etwas anderes zur Erinnerung kaufen, habt ihr im Bahnhof die letzte Möglichkeit. Hier gibt es beispielsweise ein Stück vom Original-Drahtzaun (mit Seriennummer) oder für viel Geld Nordkoreanischen Wein.

Panmunjeom Village und die JSA (Joint Security Area)

Für 75 Euro mehr geht dann deine Tour am Nachmittag weiter. Du besuchst noch zusätzlich das Panmunjeom Village. Ein Dorf indem die Waffenstillstandsverhandlungen abgehalten wurden. Das Panmunjeom Village liegt direkt in der DMZ. Aus diesem Grund ist eine Besichtigung nicht zu jeder Zeit möglich. Von hier aus hast du einen näheren Blick auf das Nordkoreanische Propagandadorf.

Danach geht es zur JSA (Joint Security Area). Bis zum 18. August 1976 konnten sich die Soldaten der beiden Länder in diesem Raum frei bewegen. Als jedoch am 18. August 1976 zwei Un-Soldaten mit der Axt durch einen nordkoreanischen Soldaten ermordet wurden, wurde hier ebenfalls eine Grenze eingezogen. Ihr seht in dem Raum eine gelbe Linie, die die Grenze bedeutet..


Preise DMZ – Touren

Die Preise der Touren unterscheiden sich bei dem Anbieten nicht wesentlich. Wir haben uns für den Anbieter Seoul City Tour entschieden. Weitere Informationen zum Anbieter findet ihr hier.

  • Halbtagestour DMZ (von 8 Uhr bis 14.30 Uhr): 46.000 KRW (ca. 35 €)
  • Halbtagestour DMZ (von 13 Uhr bis 18.30 Uhr): 54.000 KRW (ca. 42 €)
  • Ganztagestour: Halbtagestour DMZ + Panmunjeom Village und JSA:  135.000 KRW (105 €)  W
  • Am Wochenende müsst ihr mit einem Aufpreis für jede Tour von 10.000 KRW rechnen

Auf den Kleidungsstil musst du bei der Halbtages-DMZ Tour nicht achten. Nur bei der Ganztages- Panmunjeom Tour gibt es strenge Regeln und ihr solltet euch vorher bei eurem Anbieter über den Kleidungsstil informieren.

 Fazit zur DMZ Tour

Etwas makaber ist es schon, dass die Grenze die Südkorea eigentlich nicht möchte nun als Touristenattraktion floriert. Aber wer möchte nicht mal einen kurzen Blick in das feindliche Land werfen, das sich so geheimnisvoll von der Außenwelt abschottet? Während unseres Aufenthaltes in Seoul waren diese beiden Bereiche nicht für Touristen geöffnet, sodass uns die Frage: Tour mit oder ohne Panmunjeom Village und JSA, abgenommen wurde. Wir persönlich fanden unsere Tour auch ausreichend. Die Halbtagestour beinhaltet alle Stationen die einen Blick auf das fremde Nordkorea zulassen. Die besichtigten Orte waren definitiv interessant. Das Highlight der Tour war der Blick nach Nordkorea. Informationen über die Geschichte Koreas, die Teilung und das Leben der Nordkoreaner waren jedoch spärlich. Wir hätten da etwas mehr erwartet Deshalb informiert euch lieber vor eurer Tour über die Geschichte Nordkoreas bis hin zur Teilung. Für diejenigen, die es interessiert, können wir die Halbtagestour DMZ dennoch empfehlen.

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