Einsam, ruhig und friedlich im Dunst der heißen Sonne gelegen, strahlen die dunklen Pagoden, einzeln verteilt in der weitläufigen Landschaft, eine mysteriöse, pompöse Aura aus. Bauern bestellen ihre Felder, Viehzeug zieht die schweren Karren und die Kinder spielen im Staub. Die Armut der Bevölkerung lässt sich nicht ausblenden. Überall in den Dörfern leben Menschen in dürftig zusammengebauten Bambus- oder Holzhütten, trocknen ihre im Fluss gewaschene Wäsche auf Felsen und freuen sich über jedes freundliche Lächeln, das ihnen begegnet. Das ist das Leben in Mrauk-U, eine alte fast vergessene Tempelstadt, an der Grenze zu Bangladesch, im Rakhaing-Staate, Myanmar.

Nicht so groß und alt wie Bagan, besitzt das alte Rakhine Königreich dennoch über 100 Tempelanlagen, die sich von ihrer Bauart sehr von der in Bagan abhebt. Statt Ziegelstein wurden die meisten Pagoden aus normalen Stein erbaut. Die Tempel und Pagoden wirken älter, härter, dunkler, wie Bunker und geheimnisvoller – wie auch schon der Name: Mrauk – U. Wie das “Miau” einer Katze so wird von den Birmesen ausgesprochen. Bei den eigentlichen Einwohnen, die Rakhine, hört es sich eher wie Mra-U an und bedeutet übersetzt „Affenei“ oder „Kartoffel“. König Min Saw Mon errichtete die weitläufige Tempelanlage in Hinblick auf die perfekte, strategische Lage, zwischen Bergen, Flüssen und Kanälen. Die Regenzeit fällt in dieser Gegend etwas heftiger aus, als in anderen Teilen des Landes, dafür sind die Winter umso trockener. Die Monarchen des Königreiches Mrauk-U betrieben Handel mit Inwa (Shanstaat, Birma) sowie Indien und verschifften und transportierten ihre Erzeugnisse sogar bis nach Portugal, Niederlande, in die arabischen Länder und Persien. Kein Wunder, denn neben Reis und Baumwolle, konnte in der Umgebung Rubine abgebaut und Elfenbein von den damals zahlreichen Elefanten beschafft werden.




Im 16. Jahrhundert war das Königreich, durch seine Rohstoffe und seinen Reichtum in aller Munde und blühte auf. 120.000 Einwohner und damit so viel wie in London zu jener Zeit, lebten unter der Herrschaft der Rakhine Könige, bis König Tabishwehti, der burmesische König die Stadt angriff und König Bodawpaya diese 1785 besiegte und übernahm. Seit dem Mrauk-U durch die britische Kolonialmacht im 19. Jahrhundert den Titel der Hauptstand aberkannt bekam, interessierte sich keiner mehr für das Gebiet und die Bevölkerung. Der Verfall, der bis heute anhält, setzte ein. Die einst glorreiche Stadt ist heute nicht mehr als ein kleines Dorf mit ein paar sehr armen Menschen, die hart arbeiten müssen, um ihr Leben zu bestreiten. Touristen verirren sich nur sehr wenig in diese Region. In der Hochsaison sind es grade mal 5.000 Besucher. Ein paar kleine Gasthäuser, zwei große Hotelkomplexe und an der Hand abzählbare Restaurants stehen den Touristen zur Verfügung. Das Dorf ist auch eher spärlich bebaut. Im Zentrum befinden sich, entlang einer staubigen Straße, einige kleine Holzbuden, die verpackte Lebensmittel, Getränke und Obst anbieten. Auf dem täglich geöffneten Markt kann man einige Andenken und frisches Obst und Gemüse kaufen. Die Nähe zu Bangladesch deckt die Bevölkerung auch mit einiger qualitativ guter Kleidung ein, die preiswert abgekauft werden können.

Jedenfalls werdet ihr auf dem umfangreichen Gebiet kaum Touristen vorfinden und viele Tempel für euch allein haben. Zum einen ist das für euch gut, denn keine Menschen springen vor eurer Kamera herum, zum anderen bringt der Tourismus aber auch Geldeinnahmen und schafft Arbeitsplätze. Wir starteten unsere Fahrradtour am Museum Palace, das ihr unserer Meinung nach nicht besuchen müsst. Orientiert ihr euch an diesem Museum, das ziemlich im Zentrum des kleinen Dorfes liegt, gelangt ihr nordöstlich nach einem Kilometer zur Sakyamanaung Pagode. 33m ragt der dunkle Turm mit seiner goldenen Spitze in die Höhe. Sein Grundriss wurde Lotusblütenförmig erstellt, deshalb wirkt er von außen sehr eckig. Ein goldenes Eingangstor markiert den Eingang zu der Tempelanlage und ein Fliesenweg führt zu allen Seiten der Stupa entlang.

Nach einem kurzen Besuch und ein paar Fotos ging es weiter mit dem Fahrrad Richtung Osten. Hier fanden wir die schönste Tempelanlage von Mrauk U etwas abseits, von mehreren Feldern eingeschlossen: Der Kothaung Tempel. Von weiten ähnelt der Größte Tempel in Mrauk-U einer Festung, die massiv und gewaltig mitten im Niemandsland steht. Unzählige kleine Pagoden umgeben die Hauptplattform und den große Stupa in der Mitte stufenförmig. Es ist immer wieder erstaunlich, wenn vor einem auf einmal in der kahlen Landschaft solch wuchtige Gebilde erscheinen. Vor allem die absolute Ruhe und Verlassenheit wecken ein Gefühl der Einsamkeit und Unberührtheit des Gebietes.

Bei der Besichtigung haben wir uns wie in den Filmen von Indianer Jones gefühlt: Irgendwo in den versteckten Gassen lauert ein Schatz. Tatsächlich besagt eine Geschichte, dass ein Bauer solch einen Schatz in einer Buddha-Statue gefunden haben soll. Seine Frau aber meinte, der Tempel sei Verflucht und verbot ihm, die Schätzte zu behalten. Kathaung bedeutet 90.000 Bilder und tatsächlich vermag man einige 100 dort vorzufinden. In den düsteren Gängen, die quadratisch um die Hauptplattform angeordnet sind, herrscht eine unheimliche Stille und das schwarze Gestein wirkt geheimnisvoll.

Für eine schöne Aussicht bietet sich die Shwetaung Paya an, die sich unweit des Shwetaung Klosters erhebt. Ihr seht diese schon von Weiten auf einem Hügel. Ein alter freundlicher Mann begleitete uns den ganzen, fast schon zugewachsenen Weg, auf den Hügel zur Pagode.

Von hier soll man den Sonnenaufgang sehr gut beobachten können. Wir haben dies leider nicht ausprobiert, aber am nächsten Tag durch Zufall eine andere Stelle gefunden, die sich dazu sogar besser eignen würde. In der Nähe des Royal Guest Houses, wenn man in Richtung Zentrum läuft und noch vor der Brücke und dem Fahrradverleih, führt Rechts eine Treppe auf einen kleinen Hügel. Oben findet man drei dunkle Zedis, die einen herrlichen Blick über die Landschaft gewähren. Hier hast du auch einen großartigen Blick Richtung Osten, sodass wir diesen Punkt für einen Sonnenaufgang dir wärmstens empfehlen können.

Die wichtigsten Tempel und Pagoden von Mrauk U findet ihr alle zusammen in einem großen Komplex im Norden des Zentrums. Den Anfang macht die Shittaung Paya, die auch als „Schrein der 80.000 Bilder“ bekannt ist, die sich im Inneren des Tempels befinden. Die Mauern bestehen aus dicken Steinen, bilden viele kleine Kammern und in kleinen Auswölbungen befinden sich, in der Außenmauer, viele Buddha-Statuen, die jeweils einen Lebensabschnitt des Buddhas darstellen.

Hier müsst ihr auch die Gebühr für die Touristengebühr für die archäologische Zone entrichten (5.000 Kyat). Wir hoffen, dass die Gebühr auch wirklich für die Renovierung und den Erhalt der Tempel verwendet wird. Im Außenbereich ist die Hauptstupa von 26 weitere kleineren Stupas kreisförmig umgeben und jede beinhaltet so etwas wie einen kleinen Altar. Das grüne Gebäude nebenan beherbergt einen häufig erforschten Sandsteinobelisken der mit einigen Inschriften aus dem Sanskrit (Zusammenfassung uralter hinduistischer Schriften) verziert wurde.




Gleich daneben befindet sich der Andaw Tempel. Ein achteckiger Grundriss wird von weiteren 16 kleineren Pagoden umgeben. Man sagt, der Tempel beinhaltet ein Zahnrelikt des Buddhas. Die Ratanabon Pagode befindet sich ebenfalls in der Nähe. 24 kleinere Stupas umrunden den Hauptstupa. Im zweiten Weltkrieg wurde die Pagode von einer Bombe getroffen, von Schatzjägern geplündert, aber später wieder neu restauriert.

Der Dukkantthein Tempel wurde 1571 aus Sandstein errichtet. Steinskulpturen verdeutlichen das Leben der damaligen Zeit am Königshof. Ungefähr 140 Buddha-Statuen verzieren im Inneren die Wände des Tempels.

Die Lay Myet Hna Pagode befindet sich ca. 50 m nordwestlich des Dukkantthein Tempel. 1430 wurde diese als eine der ersten der Mrauk U-Dynastie errichtet. Achteckige Räume stehen auf einem quadratischen Grundriss. Zu jeder Seite der Pagode befindet sich ein Eingang in dem eine Buddha-Figur sitzt. Scheint die Sonne in einen Eingang, ergibt das eine besonders mystische Atmosphäre.

Ihr könnt in Mrauk U viele einsame Tempel und Pagoden entdecken. Hält man sich links vom Ratanabon und biegt hinter einen Hügel in einen kleinen Feldweg ein, gelangt man zu weiteren kleinen aber sehr schönen abgeschiedenen Pagoden wie der Laung Bwann Byauk und Htuparon sowie zu Pitaka Taik einer verzierten Art von buddhistischer Bibliothek, in der früher die heiligen Schriften aufbewahrt wurden. Das kleine verzierte 1591 erbaute Gebäude ist heute überdacht.

Nur ein paar hundert Meter entfernt findet ihr die Hari daung Paya, zu der eine lange weiße Treppe führt und die goldene Stupa auf einer großen Plattform errichtet wurde. Die Pagode auf einem Hügel wurde von unserem Lonely Planet als Sunset Pagode von einem darin interviewten Guide empfohlen. Wir empfanden den Ausblick als schön, doch da muss es doch etwas besseres geben in Mrauk U.

Wir fanden dann einen Postkartenverkäufer mit einem wunderschönen Motiv von Mrauk U und fragten ihn, wo denn der Spot wäre, der auf seinen Postkarten abgebildet war. Seine Antwort: “Discovery Viewpoint“, also haben wir uns den Sonnenuntergang von dort aus angesehen. Ein Künstler verlangt ein wenig Eintritt, um auf seiner Aussichtplattform, die mit Bänken ausgestattet ist, den spektakulären Sonnenuntergang wahrzunehmen. Nicht ganz so schön wie in Bagan, aber dennoch lohnenswert. Ihr findet den Aussichtspunkt, wenn ihr am Andaw Tempel vorbei Richtung Ratanabon Pagode fahrt und rechter Hand nach dem Schild „Discovery Point“ Ausschau haltet. Gegen 17 Uhr fing es dann langsam an neblig zu werden und die von den Bildern bekannte mystische Atmosphäre projizierte sich in die Landschaft. Doch uns wurde nach und nach klar, dass das gar kein Nebel ist, was auf allen Mrauk-U Bildern zu sehen war, sondern Rauch, der durch Müllverbrennung entstand. Ob das nun Absicht von Bevölkerung ist, um die Mücken zu vertreiben oder Touristen anzulocken, der Anblick war jedoch sehr schön, auch wenn das Wissen um den „mysteriösen Nebel“ den Anblick gar nicht mehr so mysteriös erschienen lässt.

Das war Mrauk-U, eine ehemalige, reiche Königsstadt, von dessen Palast nur noch Mauern übrig sind und der damalige Glanz sich nur noch erahnen lässt. Armut und Stille sind neben ein paar alten, dunklen Pagoden übriggeblieben, die sich machtvoll aus einer Dschungel und zugleich dennoch trocknen, staubigen Landschaft emporerheben.

Anreise

Die Regierung von Myanmar hat auf den mangelnden Tourismus in dem Gebiet bereits reagiert und die beschwerliche Reise nach Mrauk-U etwas erleichtert. Bis vor einiger Zeit, konnte man nur mit dem Flugzeug nach Sittwe fliegen und am nächsten Morgen mit einem Boot den Kalanda-Fluss 3-4 Stunden entlangfahren. Das war ziemlich umständlich und für mehr Besucher, die wenig Zeit in ihrem Urlaub besitzen, um ein ganzes Land zu erkunden, nicht förderlich. Die An- und Abreise mit dem Flugzeug je Strecke ungefähr 100 €, sehr preisintensiv. Also wurden die Straßen zum Teil erneuert und mittlerweile fahren Reisebusse direkt in das kleine Dorf Mrauk-U. Man kann von Yangon und Mandalay direkt mit dem Bus nach Mrauk U reisen. Vom Inle Lake und Bagan fährt man erst nach Magwe (ca. 12 bzw. 4 Stunden) und nimmt dann den nächsten Bus in Magwe (der aus Mandalay kommt) nach Mrauk-U. Wir würden euch aber nicht empfehlen in Magwe zu übernachten. Trotz aller Reiseberichte die wir gelesen haben, konnten wir außer der großen Brücke nichts Schönes an der Stadt entdecken. Restaurants und gute Hotels haben wir auch nicht vorgefunden.




Übernachtungen

Die Kosten für Übernachtungen sind im Vergleich zu Bagan etwas höher. In Mrauk-U können wir euch eine low-budget Unterkunft das Royal City Guest House empfehlen. Für ca. $30 pro Nacht, inklusive Frühstück, ist es ganz akzeptabel und zentral gelegen. Für eine gehobenere Unterkunft, kommt nur das Mrauk U Princes Resort infrage, indem wir das Restaurant sehr empfehlen können. Auch die Anlage und das Restaurant im Vesali Resort besitzen einen guten Standard. Nach einem kräftigenden Frühstück kann es dann auch schon los gehen zu den Tempelanlagen. Das Fahrrad oder eine organisierte Bustour der größeren Hotels, sind hier die besten Varianten. Viele Reiseführer und Blogs sind der Meinung, dass man zwei volle Tage für das Gelände benötigt. Wir hingegen finden, dass auch ein Tag völlig ausreicht, wenn man sich auf die wesentlichen Tempel und Pagoden konzentriert, die wir euch in diesem Reisebericht vorgestellt haben.

Fazit Mrauk-U

Es ist schwer für uns zu sagen, ob die lange beschwerliche Anreise die Eindrücke von Mrauk-U wirklich rechtfertigt. Auf jeden wirkt die Tempelanlage anders, manche finden sie unspektakulär, andere sind von der Bauweise begeistert, wieder andere fahren nach Mrauk-U, um das „authentische Leben“ der Einheimischen zu beobachten. Unserer Meinung nach, sollte man bei einer knappen Reisezeit Mrauk-U eher weglassen. Damit wollen wir aber nicht sagen, dass es nicht schön war die Tempel anzusehen und die Kultur der dort lebenden Menschen kennen zu lernen. Trotzdem müssen wir zugeben, dass das Dorf für touristische Zwecke und von dem was geboten wird noch ziemlich viel Nachholbedarf hegt, aber vielleicht macht ja gerade das den Scharm des Ortes aus.

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