Die Geschichte Chinas begann in Shaanxi – einer Region fast im Herzen des großen Landes. Der Anfangs- bzw. Endpunkt der Seidenstraße nach Nepal fand hier seinen Beginn und noch vor Peking Hauptstadt wurde, war es die Stadt Xian, die die Qin-Dynastie auserkor Zentrum des Kaiserreichs zu werden. Leider endete die Herrschaft des prächtigen Reiches schon im 10. Jahrhundert. Wer eine historisch alte Stadt erwartet und sich in das alte China zurückversetzen möchte, der ist hier leider falsch. Heute ist die Stadt ganz typisch Chinesisch mit Plattenbauten übersäht. Einkaufszentren und breite Straßen prägen das Bild des modernen Xian. Die meisten Touristen kommen wegen der ca. 35 km entfernten Terrakottaarmee in die Stadt, welches ein Musst See bei einer Chinareise ist. So kamen wir auch wegen dieser außergewöhnlichen archäologischen Ausgrabungsstätte und wurden von Xian positiv überrascht. Etwas von der Luft des alten Kaiserreichs ist immer noch übriggeblieben. Aber lest selbst, wieso die Altstadt von einer Mauer umschlossen wird, Moscheen das Stadtbild prägen ebenso wie tibetanische Tempel und wilde Gänse. Hier schon einmal ein erster Einblick in das Stadtbild von Xian.



Sehenswürdigkeiten in Xian

Die Terrakotta Armee bei Xian

Wenn Touristen Xian besuchen, dann machen Sie den weiten Weg eigentlich nur um die Terrakotta-Armee zu besuchen. Die aus Ton bestehenden Soldaten sind ein wahres Highlight, daher haben wir einen gesonderten Beitrag verfasst, den du hier nachlesen kannst. In diesem Beitrag erhältst du weitere nützliche Informationen und. Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack.

Big Wild Goose Pagoda

Eine der Hauptattraktionen von Xian ist eine wilde Gans. Aber keine richtige Gans, sondern eine Pagoda im Tang Stil, der selten existiert. Die große Wildganspagode ist das Wahrzeichen von Xian. Etwa 4 km in südöstlicher Richtung, außerhalb der Stadtmauer, befindet sich die Tempelanlage in einer kleinen Parkanlage mit vielen Springbrunnen und Restaurants.

Die 50 Yuan Eintritt sind ziemlich viel, für die sich um die Pagode befindliche Tempelanlage. Wenn ihr aber, wie wir, Glück habt, dann könnt ihr die Mönche bei einer Zeremonie beobachten. Wer auf die Pagode gehen mag, der muss noch einmal 25 Yuan bezahlen.

Little Wild Goose Pagode

Die kleine Wildganspagode steht im Jianfu Tempel, der nur 3,5 km vom Süd Gate der Stadt entfernt ist. Im 16. Jahrhundert überstand diese ein großes Erdbeben. Nur der Kopf der 43 m hohen Pagode wurde zerstört. Habt ihr die große Wildganspagode gesehen, ist diese Tempelanlage dennoch ein sehr sehenswert. Uns hat diese sogar noch besser gefallen als die Big Wild Goose Pagoda.

Vor allem werdet ihr im Außenbereich noch einen kleinen traditionellen chinesischen Hof vorfinden, der das frühere Leben der Chinesen zeigt sowie verschiedene Handarbeiten zur Schau stellt. Ein wirklich sehr schöner Ort, den ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Ihr müsst euch am Eingangstor Tickets geben lassen, auch wenn ihr nichts dafür bezahlen müsst. Nur der Aufstieg auf den Turm kostet 25 Yuan. Ansonsten ist die Besichtigung des Hofes, der Tempelanlage und des umliegenden Parks kostenlos. Der Bus 14 fährt zu der kleinen Wild Ganzpagode. 

Das muslimische Viertel

Sehr außergewöhnlich aber durchaus sehr sehenswert ist das muslimische Viertel in Xian. Nach dem Trommelturm in nördlicher Richtung könnt ihr eintauchen in die Welt der Muslima. Aber keine Sorge, ihr seid immer noch in China und so mixt sich dieses Viertel mit den ungewöhnlichsten Dingen. Schon im 7. Jahrhundert siedelten sich hier die chinesischen Muslime an und gestalteten ein kunterbuntes Stadtviertel. Endlich haben wir hier das alte China entdeckt, dass wir uns immer vorgestellt haben.

Eine richtige Schlemmermeile hat sich in den engen Gässchen gebildet. Es gibt alles – alles was außergewöhnlich ist. Ausgefallene Leckereien, Brote in Blumenform, Nudelsuppen aller Art und weitere Köstlichkeiten erwarten euch. Schlendert ein paar Stündchen durch die Straßen und schaut euch das aufgeweckte Treiben auch bei Dunkelheit an.

Große Moschee

Und weiter geht es mit noch mehr nicht-typisch chinesischen Bauwerken: Einer Moschee. Aber diese, ist wiederum auch nicht typisch muslimisch. Hier wurde die islamische Religion mit der chinesischen Baukunst vermischt. Entstanden ist ein außergewöhnlicher Hof, den es sich lohnt anzusehen. Für 30 Yuan Eintritt wird euch ein großes verziertes Dori, ein hübscher chinesischer Garten mit Steinornamenten, Pavillons und Torbögen geboten. Der islamistische Einfluss zeigt sich im Gebetshaus mit seinem türkisfarbenen Dach. Auch die Innenausstattung ist traditionell im muslimischen Stil gehalten.




Traditionelles Volkskundehaus von Gao Yuesong

Im muslimischen Viertel ist nicht alles muslimisch. Zu unserer Überraschung fanden wir hier sogar mehr altes China vor, als im Rest der Stadt! Das alte historische traditionelle Haus des Qing Bürokraten Gao Yuesong findet ihr gleich auf der belebten Beiyuanmen Straße. Heute dient das Hofhaus als Kunstmuseum, Teehaus und Beispiel für Touristen von einem traditionellen chinesischen Gebäude. Wohngebäude, Studier- und Schlafzimmer sowie ein kleiner chinesischer Garten mit Rundbögen und singenden Vögeln, beherbergt das Hofhaus. Um es zu besichtigen sind 15 Yuan nicht zu viel. Wir empfanden das Gebäude als eine schöne Auflockerung, nach all den kalten Plattenbauten.

Glockenturm- und Trommelturm

Etwas verloren im Trubel der ringsherum verlaufenden Verkehrsinsel, wirkt der große Glockenturm. Die Besichtigung kostet ca. 30 Yuan. Durch einen Fußgängertunnel unter dem Kreisverkehr, gelangt man zum Herzpunkt der Stadt. Im Inneren lässt sich eine große Glocke vorfinden. Zu Sonnenaufgang wurde diese früher als Zeitangabe für die Bevölkerung geläutet. Die Aussicht rechtfertigt unserer Meinung nach, nicht den Eintrittspreis, aber ihr könnt das Ticket mit dem des Trommelturm kombinieren und inklusive einer Musikvorführung, mehrmals täglich, sind 40 Yuan wiederum ein guter Preis.

Der Trommelturm ist das Gegenstück des Glockenturms. Hier schlägt die Trommel zur Stunde der untergehenden Sonne. Beide Türme sind durch eine niedliche, enge Ladestation miteinander verbunden, auf der viele Souvenirs und Süßigkeiten angeboten werden.

Stadtmauer

Eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit in Xian ist die noch vollständig erhaltene Stadtmauer aus der Zeit der Ming Dynastie aus dem 14. Jahrhundert. In einem Rechteck erstreckt sich die Mauer in einem Umfang von 14 km um die Altstadt. Am Nordtor kann die breite Mauer für 50 Yuan betreten werden. Habt ihr genügend Zeit, ist eine Umrundung zu Fuß innerhalb von 4 Stunden möglich bzw. könnt ihr euch auch ein Fahrrad für ca. 40 Yuan pro Stunde leihen. Rote Lampions säumen den Weg rund um die Stadt.

Von der Stadtmauer habt ihr einen Ausblick auf Xian. Aber auch der rechtfertigt den hohen Eintrittspreis zum Besteigung der Stadtmauer nicht. Bestenfalls empfanden wir den Ausblick als “okay”. Jedoch haben wir die Stadtmauer auch nicht umrundet, sodass sich eventuell an anderen Stellen der Mauer bessere Aussichten ergeben.

Wer sich so hoch oben nicht wohl fühlt, der kann die Stadtmauer auch im Außenbereich entlanglaufen. Direkt an der Außenmauer ist ein kleiner Park angelegt worden. Besonders zu den Abendstunden sind hier die Bewohner der Stadt bei Spaziergängen und Tänzen anzutreffen. Die Parkanlage ist sehr gepflegt, mit Bonseibäumchen und Fitnessgeräten ausgestattet. 




Der Lama Tempel

Wir haben in China viele Tempel besucht. Der Gange Lama Tempel war einer der schönsten, wahrscheinlich weil wir den tibetanischen Buddhismus so mögen. Der tibetanische Tempel kostet 20 Yuan Eintritt. Im 18. Jahrhundert wurde das Original erbaut, im 20. Jahrhundert wurde er rekonstruiert. Heute ist es neben einer Touristenattraktion, auch ein Kloster für tibetanische Mönche, die aus Tibet nach China kamen oder von den Chinesen gesendet wurden. Uns gefällt vor allem die spirituelle Atmosphäre. Die bunten Flaggen, die die buddhistischen Elemente (Erde, Feuer, Wasser, Himmel) aufweisen, wirken so beeindruckend, mit den rotschimmernden Pavillons.

Mehrere Gebetshäuser wurden hintereinander in verschiedenen Innenhöfen erbaut. Jeder dieser Tempel ist mit goldenen Figuren versehen. Im letzten Tempel werdet ihr die Hauptattraktion vorfinden: Eine goldene Statur von Sakyamuni (siehe Bild rechts) aus der Tang-Dynastie. Nur eine weitere dieser Art existiert in Lhasa im berühmten Jokhang Tempel.

Temple of the Eigth Immortals – Tempel der Acht Unsterblichen

Einen rein taoistischer Tempel findet ihr in einer Seitenstraße der Beida Alley, außerhalb der Stadtmauer. Eine sehr friedliche Atmosphäre herrscht in dieser Tempelanlage vor. Die Mutter des letzten Kaisers fand hier Zuflucht, nachdem sie bezüglich der Boxeraufstände aus der Hauptstadt fliehen musste. Im Innenhof könnt ihr Wandmalereien aus der Mythologie des Taoismus bewundern, über eine kleine Brücke spazieren, die traditionelle Kleidung der taoistischen Gelehrten bestaunen oder aber einfach nur die friedliche Ruhe des wenig touristischen Tempels genießen.

Die 5 Yuan Eintritt sind für die Erhaltung der Tempelanlage nicht zu viel. Neben dem Tempel findet ihr einen kleinen Antiquitätenmarkt vor, durch den ihr stöbern könnt. Am besten nehmt ihr die Metro aus dem Stadtzentrum, um zu diesem wunderschönen Tempel zu gelangen.

 

Daming Palace Natural Heritage Park

Gleich hinter der Xian Zugstation befindet sich die größte Parkanlage der Stadt. Durchquert die Zugstation und bestaunt das wuchtige Eingangstor zum Park. Dahinter erwartet euch nicht etwa ein Park, sondern eine riesige Fläche kalten Plattenbodens. Ab und zu steht ein Baum. Am Ende dieses großen Platzes werden am Ticketschalter 60 Yuan Eintritt in den eigentlichen Park verlangt. Uns war dies zu teuer, auch wenn man damit die alten Bauruinen einer alten Militärbasis zur Kaiserzeit besuchen kann. Ein Besuch empfiehlt sich nur bei wahrem historischen Interesse.

Unterkunft

Trotz das Xian Ausgangspunkt für die Besichtigung der Terrakottaarmee ist, sind die Preise für Unterkünfte sehr preiswert. Wir haben uns für 21 Euro das Ibis Heping Hotel fast im Stadtzentrum geleistet. Die Zimmer waren sehr sauber und groß. Gleich vor der Tür fahren Busse zum Bahnhof und den bekanntesten Sehenswürdigkeiten für gerade einmal 2 Yuan ab. Aber das muslimische Viertel ist ebenso zu Fuß erreichbar. Das Iris Xian Heping Hotel können wir euch sehr empfehlen.

Anreise

Wie üblich bei unserer Chinareise, sind wir auch nach Xian mit dem Übernachtzug von Peking angereist. Für 265 Yuan waren wir nach ca. 12 Stunden morgens in der Stadt. Es gibt auch hier wiederum schnellere Züge, die die Strecke in ca. 5,5 Stunden bewältigen, jedoch sind diese wesentlich teurer und du sparst du mit diesen Zügen keine Übernachtungskosten. Mit dem Bus 30, 40 und 5 gelangt man schnell zum Ibis Heping Hotel.




Was du noch über Xian wissen solltest

  1. Xian ist keine Kleinstadt. Wie so üblich in China sieht die Entfernung sehr kurz aus, ist aber sehr lang. Eine Metro gibt es, aber nicht viel Haltestellen in der Altstadt. Um von A nach B zu gelangen, muss man für 2 Yuan die dauernd fahrenden Buse nehmen. Also haltet viel Kleingeld bereit. Der Busfahrer wechselt nicht!
  2. An der Xian Zugstation existiert eine Touristeninformation. Die Damen sprechen zwar nur gebrochen Englisch, aber konnten uns trotzdem immer weiterhelfen. Vor allem könnt ihr euch dort auch eine Stadtkarte besorgen.
  3. Ein Subway Restaurant gibt es an der Zugstation. Ansonsten hat Xian mehrere KFC, MC Donalds und Starbucks aufzuweisen. Am besten ist man aber im muslimischen Viertel. Die Händler verkaufen auch Chili Tofu (nicht so scharf) und Obst für Vegetarier.
  4. Von Xian aus fahren auch Züge nach Lhasa/Tibet. Der Zug wird in Xianing gewechselt und benötigt nach Lhasa 35 Stunden. Siehe dazu unseren Beitrag zu Tibet.

Fazit

Xian ist der Ausgangspunkt für die Besichtigung der Terrakottaarmee. Es lohnt sich aber noch 1 oder zwei Tage länger in der Stadt zu bleiben. Das muslimische Viertel, das historische Haus, die Stadtmauer und die große sowie kleine Wildganspagode sind recht sehenswert. Ansonsten ist Xian eine typisch kalte mit Plattenbauten bewucherte chinesische Stadt, die kein Highlight unserer Chinareise darstellt.

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