Wer nach China reist erwartet altertümliche Tempel, Räucherstäbchen, Ahnenaltare, Lampions an jeder Hausecke, traditionelle chinesische Läden und nach Garküche riechende Straßen. Ja so ist China, aber so ist nicht Shanghai. Aber vielleicht ist gerade Shanghai das neue China, das moderne China und Gegenstück zur Hauptstadt Beijing. Keine Mönche, Dichter oder Philosophen mit ihren Ideen und Geschichten erwarten dich in der modernen aufstrebenden Stadt sondern Tatendrang. Wahrscheinlich ist auch das der Grund warum Shanghai vielen anderen Städten des Landes voraus ist. Neben einer atemberaubenden, modernen Skyline auf der einen Seite des Huangpu Jiang Flusses und einer historischen Barockfassade auf der anderen Seite, findet ihr kleine französische Stadtviertel und chinesische Parkanlagen mit Teehäusern, die euch zum Staunen bringen werden. Shanghai mit seinen über 25 Millionen Menschen hat uns begeistert und uns ein ganz neues unbekanntes China eröffnet. In diesem Reisebericht stellen wir euch die besten Sehenswürdigkeiten der Stadt kurz vor.




Die Hauptattraktion in Shanghai – Der Bund

Das Zentrum des Tourismus von Shanghai befindet sich 2 km entlang der Uferpromenade der westlichen Huangpu Flussseite – Der Bund (Hinduwort für „Damm“). Von hier erlebt ihr die größte und bekannteste Attraktion der Metropole: Die Aussicht auf die Skyline. Diese modern chinesischen Bauten und Hauptsitze chinesischer und internationaler Finanzgiganten werden auch die „Wallstreet of the East“ genannt. Dieser Bezirk war um das Jahr 1990 der Geburtsplatz der ersten ausländischen Unternehmen, ersten Banken, ersten Zeitungen und Botschaften, die nicht aus China stammen. Im 20 Jahrhundert wurden die grandiosen Bauwerke an der westlichen Uferfront errichtet. Im neoklassischen und Jugendstil erwecken sie den Eindruck eines kleinen Paris im fernen Osten. Wo ist das China abgeblieben? Hier ist es jedenfalls nicht mehr zu spüren oder sehen.

Der wunderbare Kontrast zwischen alten europäischen Gebäuden und neuen modernen Hochhäusern ist einmalig. Geniest den Ausblick bei Tag und Nacht, wobei das eigentliche Highlight erst im Dunklen sichtbar wird: Mehr Lichter und blinkende Hochhäuser habt ihr nirgends gesehen. Romantisch, klassisch, historisch auf der einen Seite, neumodisch, spektakulär, modern auf der anderen Seite. Beide Ausblicke sind von der Uferpromenade zu sehen oder ihr entschließt euch für eine Schiffsfahrt auf dem Fluss Huangpu.

Der Stadtteil Pudong

Die Sky-Walkway-Bridge

Gegenüber „The Bund“, auf der Ostseite des Flusses, befindet sich das große Finanzviertel Shanghais. Ganz einfach könnt ihr hier mit der Metro von der East Nanjing Road nach Pudong fahren und den modernen Teil der Stadt besichtigen. Schon bei der Überfahrt werden euch Lichteffekte die neusten Kinotrailer im U-Bahntunnel während der Fahrt auffallen. Viel gibt es in Pudong nicht zu erleben, aber schon allein sich mitten in den hohen Hochhäusern zu bewegen ist grandios. Der Shanghai Tower ist mit über 500m seit 2014 das höchste Gebäude der Stadt, aber nicht das spektakulärste. Wollt ihr einen Flaschöffner sehen? Bitteschön – hier ist er. Tatsächlich existiert als zweit ungewöhnlichstes Gebäude ein Hochhaus, welches durch seine Form „Flaschenöffner“ (engl. Bottle-Opener) genannt wird. Das ungewöhnlichste Gebäude ist auch gleichzeitig, dass am meisten Fotografierte Motiv Chinas und das Wahrzeichen der Stadt: Der Shanghai Oriental Pearl Radio und TV Turm.

„Perlen fallen in eine Jadeschüssel“ – diese chinesische Redensart inspirierte den Architekten einen Tower zu bauen, der aussieht als ob elf unterschiedlich große Perlen vom Himmel ins Grüne Grass fallen. Vom kreisartigen Sky-Walkway, der direkt an der U-Bahn-Station beginnt könnt ihr die besten Aussichten bei Tag und Nacht genießen und nebenbei ein wenig in den riesigen Shoppingmalls bei Gucci, Prada oder H&M shoppen gehen.

Die Uferpromenade

Lauft ihr in Richtung des Flusses gelangt ihr hinter den großen Shoppingmalls zur Pudong Uferpromenade. Von hier könnt ihr auf die neoklassische und Jugendstil Gebäudefront des anderen Ufers schauen, aber auch die beleuchtende Skyline ist von hier aus mehr als spektakulär. Leider hat es bei uns fast nur geregnet oder es war so diesig, dass kein guter Ausblick auf die andere Uferfront möglich war. Dieses Stadtviertel unterliegt noch mehr europäischen Einfluss wie es scheint. Neben dem auch in Deutschland beliebten Restaurant „Vapianos“ findet ihr hier ebenso einen „Paulaner Biergarten“- Also, wenn man sich da nicht wie zu Hause fühlt!

Lujiazui Green (Park)

Als kleiner Kontrast zu den riesigen Gebäuden und um etwas Ruhe zu tanken, fanden wir den Lujiazui Green Park als eine willkommene Abwechslung. Eigentlich waren wir auf der Suche nach dem Magical Forest, von dem wir Bilder gesehen hatten, aber dieser scheint nicht mehr zu existieren. Dann überrasche uns diese kleine grüne Oase mit ihrem schönen Koi-Teich und Engelsstatuen. Das Grass wie immer chinesisch perfekt geschnitten.




Altertümlicher Yuyuan Tourist Markt und Yu-Garden

Der Yu-Garten gilt als elegantester, chinesischer Garten in Südost China. Neben uralten Bäumen beinhaltet das große Gelände viele Pavillons und Steingebilde. Leider war der private Garten zu unserem Aufenthalt inShanghai nicht zugänglich, aber vielleicht habt ihr ja mehr Glück. Nichts desto trotz ist eine der schönsten Attraktionen der umliegende Yuyuan Tourist Markt. Der seit 150 Jahren bestehende Markt wird von imposanten, traditionellen chinesischen Gebäuden und Teehäusern geprägt. Eine Zickzack Brücke überquert einen kleinen Teich und eröffnet spektakuläre Fotomotive. Wir haben fast vergessen, dass wir in einer der größten und modernsten Städte der Welt sind. Wären die unzähligen Touristen nicht hier, würden wir dieses Viertel sogar als „idyllisch“ bezeichnen. Auch die kleinen Läden in den alten Straßen laden zum Shoppen und Schlemmern ein. Speziell die Dumplings sind hier zu empfehlen oder der leckere Tofu in einer speziellen braunen Soße.

Hattet ihr das Glück, den Garden bei Tag zu sehen, solltet ihr auf jeden Fall bis zum Abend dort verweilen oder wieder herkommen, denn der Anblick bei Nacht ist noch schöner als bei Tag. Wenn die alten Gebäude angestrahlt werden, kommt man sich vor wie in einem alten China.

Tempel von Shanghai

Jing`an Tempel

Der bekannteste Tempel der Stadt wird euch überwältigen, wenn ihr die U-Bahnstation Jing’an Tempel am Ausgang zur West Nanjing Road verlasst. Zwischen den ganzen Hochhäusern hätten wir so ein altertümliches, chinesisches Gebäude nicht erwartet – aber stimmt ja, wir sind in China. Die Historie des Tempels reicht über 750 Jahre zurück. 1972 wurde der Tempel vollkommen durch den großen Brand zerstört. Erst seit 1990 steht er der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung. Von außen sieht der Temple spektakulärer aus als von Innen. Bei einem Eintritt von 50 Yuan solltet ihr euch überlegen, ob sich der Eintritt wirklich lohnt. Vom gegenüberliegenden Gebäude (traditionelles Ärztehaus) besitzt ihr vom oberen Stock eine schöne Gesamtaussicht auf den Tempel.

Jade Buddha Tempel

1882 wurden zwei Buddha-Statuen aus Jade von Myanmar nach Shanghai per Schiff gebracht. Sie waren ein Geschenk eines Überseechinesen an einen tibetanischen Mönch. Für diese Figuren gründetet die Stadt extra diesen bemerkenswerten Tempel. Uns hat vor allem die Außenansicht sehr gut gefallen, aber der Tempel ist von innen auch sehenswert.

Longhua Tempel

Für uns wohl der schönste Tempel von Shanghai. Er liegt etwas außerhalb an der gleichnamigen U-Bahn-Station, in einem Wohngebiet. Gleich am Eingang seht ihr die aus dem Jahr 977 stammende hohe Pagode. „Der Tempel der Drachenblume“, wie Longhua übersetzt bedeutet, wurde 2003 vollkommen neu renoviert, da er leider durch die Rote Garde fast vollkommen zerstört wurde. Die Hallen überraschen mit vielen Altären, die wunderschön verziert wurden. Ungefähr 80 Mönche leben heute noch in dem Tempel und werden euch ab und zu über den Weg laufen.

Longhua Revolutionary Martyr’s Cemetry

Gleich neben dem Longhua Tempel findet ihr den ideologischen Kontrast zur Religion, den Märtyrer Park. Als die Kommunisten 1927 in China die Macht noch nicht übernommen hatten, exekutierte die nationalistische Partei kommunistische Anhänger, meist aus dem Arbeiterkreis, und führte eine großräumige Säuberungsaktion durch. Man schätzt die Zahl auf ca. 5.000 Menschen. Auch 1937 kam es zu einem ähnlichen Massaker. Die Leichen wurden in dem Park begraben. Noch heute sieht man ihre Gräber. Ein pyramiden-ähnliches Mausoleum sowie ein Museum und verschiedene Statuen aus Stein sollen an das damalige Ereignis erinnern.




French Consession

Ein Stadtteil den ihr auf gar keinen Fall bei euren Shanghaibesuch verpassen solltet, ist die French Consession. Der Eindruck das ihr nicht mehr in China seid, wird sich hier verstärken. Frankreich gewann durch die Niederlage Chinas im Opiumkrieg diesen historischen Stadtteil in Shanghai als Konzessionsgebiet. Die anderen Besatzungsmächte schlossen ihre Konzessionsgebiete zum „Der Bund“ zusammen. Nur die French Consession stand eigenständig unter der französischen Verwaltung. Sogar französisches Recht herrschte hier vor. Ein klein wenig Frankreich in Shanghai und genauso sieht es dort auch aus. Nehmt euch die Zeit und streift entlang der kleinen, mit Bäumen versehenden Alleen und durchstöbert die wunderbaren kleinen Läden. Wir fanden besonders die Sinan Mansions und die Zhou En Lai Residenz sehr schön..

Xintiandi

Weiter geht es mit ein klein wenig französischen Flair. Das Stadtviertel Xintiandi an der gleichnamigen U-Bahnstation ist wunderschön romantisch und stilvoll. So auch die kleinen Restaurants und Bars, die sich in diesen engen Gassen- Bezirk angesiedelt haben. Nehmt euch die Zeit und gönnt euch im „Paulaner“ ein Bier oder in einem der kleinen Cafés einen Latte oder Matcha. Falls ihr noch nicht Shoppen ward, könnt ihr dies in der anliegenden Shoppingmall nachholen.

People’s Square

Der People’s Square ist ein Park mitten in der Stadt, der eine gute Aussicht auf die umliegende Skyline preisgibt und mit den vielen grün und bunten Blumen einen exzellenten Kontrast setzt. Die Hauptattraktion des Parks ist das Shanghai Museum und das Grand Theatre. Leider sieht das Gebäude wie ein alter sozialistischer Bau aus, aber im inneren befindet sich eine bemerkenswerte Kunstausstellung.

Einkaufen auf der Nanjing East Road

Wie fast alle chinesischen Großstädte lässt es sich auch in Shanghai mehr als super gut Einkaufen! Auch hier gilt wieder: Es gibt nichts was es nicht gibt und noch viel mehr. Als eine der größten Einkaufsstraßen der Welt reihen sich Shoppingcenter und Geschäfte aneinander. Adidas, Puma, Nike, Forever 21, Prada und viele mehr werben um Kunden und mit verlockenden Angeboten. Auch uns in Europa unbekannte chinesische Marken kann man hier vorfinden. Diese bestehen meist aus spitzen Qualität und sind zudem sehr viel preiswerter. Die Nanjing Road beginnt am „Bund“ und endet am Volkspalast. Von dort beginnt die West Nanjing Road bis nach Jing´an, in der sich die meisten Luxuseinkaufsläden angesammelt haben.

Food Street West Nanjing Road

Als Schlemmermeile Shanghais gilt die West Nanjing Road. Wir stellten uns darunter einen Streetfoodmarkt vor, wurden aber enttäuscht. Zwar existieren hier ein paar kleine Stände auf der Fußgängerzone, aber wenn du wirklich etwas zu Essen suchst, dann musst du in die Restaurants, Bäckereien oder Cafés gehen, die das Straßenbild in diesem Gebiet prägen.

Was du noch über Shanghai wissen solltest

  • Eine englische Touristenkarte und vor allem ein englischer U-Bahn Plan sind an der Touristeninformation am „Bund“ zu erhalten (gleich in der Nähe von Starbucks und Subway)
  • Für Shanghai lohnt es sich eine U-Bahnkarte zu kaufen, da die Fahrten nicht mal 50 Cent pro Strecke kosten. In 4 Tage haben wir ca. 50 Yuan verfahren (ca. 6,50 Euro) und es war damit wesentlich entspannter, als ständig an die Automaten zu rennen. Ihr könnt mit dieser Karte auch den Bus, das Schiff und die Taxis bezahlen.
  • In Shanghai gibt es leckere Suppen-Läden, bei denen ihr euch die Zutaten selbst auswählen könnt. Gerade für Vegetarier ideal!
  • Erwartet nicht zu viele Englischkenntnisse. Shanghai ist zwar eine internationale Metropole, aber die Einheimischen (auch im Hotel) legen auf Sprachkenntnisse kaum Wert. Beschafft euch lieber ein Übersetzungsprogramm.
  • Tax-Back: Nicht überall erhaltet ihr die Steuern auf eure Einkäufe am Flughafen zurück. Manche Läden und Shoppingmalls sind extra gekennzeichnet und haben Tax-Back Schalter.

Unterkunft

Egal wo ihr in Shanghai eine Unterkunft findet, sollte diese in der Nähe einer U-Bahnstation sein, dann ist alles super und schnell erreichbar. Wir haben ein Hotel am Peoples Square gebucht. Das Motel Shanghai Nanjing Road People’s Square ist mit 36 Euro die Nacht auch nicht gerade ein Schnäppchen, aber noch eins der preiswertesten Hotels, die wir eine Woche vor unserem Besuch buchen konnten. Leider sprach das Personal kaum Englisch, waren jedoch mit einem Übersetzungs-programm ausgestattet und alles hat problemlos funktioniert. Das Zimmer war nicht sonderlich groß, aber sehr sauber und mit einem schönen Badezimmer und großer Dusche ausgestattet. Wir können dieses Hotel in der Lage 10 min. Fußweg vom People’s Square weiterempfehlen.




Anreise

Nach Shanghai kann man fast von überall einfliegen. Wir hingegen sind von Hongkong mit dem Zug in China eingereist. Ein Visum muss vorher natürlich beschafft werden. Im Hardslepper haben wir in einem 6-Mann Abteil jeweils ein Bett gebucht. Dabei variiert der Preis je nachdem ob ihr unten, in der Mitte oder Oben schlaffen wollt. Die Fahrt hat uns pro Person ca. 55 Euro gekostet. Wir waren über Nacht ca. 19 Stunden unterwegs. Der Zug hat keinen Stopp eingelegt, also nehmt euch Getränke und Speisen für die Fahrt mit. Bei der Immigration an der Zugstation in Shanghai verlief mit Visa auch alles ohne Probleme. Achtet nur darauf, dass ihr kein Obst mit einführt. Der Zug fährt aller zwei Tage. Vom Bahnhof des nahegelegenen Shenzen fährt der Zug täglich.

Wer nicht so gern die Nacht im Zug verbringt, für den gibt es eine günstigere Alternative für einen Flug. Bucht einen Flug von Shenzhen aus. Dieser Flughafen liegt bereits in China und ist von Hongkong ganz schnell per U-Bahn erreichbar. Da es dann ein Inlandsflug in China ist, sollte dieser auch preiswerter sein als der vom Airport in Hongkong.

Fazit zu Shanghai

Plant ihr eine Chinareise, dann kommt ihr an Shanghai sowieso nicht vorbei. Diese Stadt ist ein absolutes Must See in China und ein ganz persönliches Highlight von uns. Ob die Metropole nun überhaupt das wahre China repräsentiert oder nicht, Shanghai ist einfach einzigartig. Ohne große Worte: Diese Stadt müsst ihr gesehen haben!

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