Der Chitwan Nationalpark ist eins der in Nepal am häufigsten besuchten Sehenswürdigkeiten in Nepal. Mit einer Fläche von 932 km² Wald, Marsch- und Feuchtgebieten, wurde der geschützte Park zur UNESCO Weltnaturstätte erklärt. Im Park leben mehr als 500 indische Panzernashörner, über 100 nachtaktive königliche Bengal Tiger, viele Affen, Rehe, über 450 Vogelarten, einige freilebende Wildelefanten und viele andere seltene Tierarten. Wer das „Dschungelbuchfeeling“ live erleben möchte, sollte einen Besuch in den Chitwan Nationalpark unternehmen.

Bei unserem Besuch im Oktober 2016 war die Straße nach Chitwan kaum befahrbar und sehr staubig. Von Pokahra aus waren wir mit einem Privatfahrzeug mehr als 6 Stunden unterwegs und danach ziemlich durchgeschaukelt. Es bietet sich daher an, die Kosten in Kauf zu nehmen und für ca. 100 € einen Flug von Kathmandu zu buchen – das spart Zeit und Nerven.




Als Unterkunft bieten sich die luxuriösen Lodges an, die nah am Park gelegen sind. Wir haben im Resort Parkland übernachtet und uns für die all inklusive Variante entschieden. Dazu zählt die Verpflegung sowie das komplette Dschungelprogramm mit englisch sprachigen Guide und alle Eintritts- und Nationalparkgebühren (pro Tag und Person ca. 15 €). Es existiert für low-budget Reisende aber auch eine wesentlich günstigere Variante in dem kleinen Touristendorf Sauraha. Hier begegnet man vielen Backpackern und kann seinen Besuch im Park etwas freier planen. Zwei volle Tage ist aber das Minimum an Zeit, die man im Nationalpark verbringen sollte. Im Folgenden stellen wir dir Aktivitäten und Ausflüge vor, die wir dir im Chitwan Nationalpark empfehlen.
Die beste Reisezeit ist von Oktober bis März, um die Natur in ihrer schönsten Blüte vorzufinden und die Tiere, unter blauem Himmel und bei angenehmen 25 Grad, beobachten zu können. Im Frühjahr ist für eine gute Beobachtung das Weidegras noch sehr kurz und die Tiere bringen ihre Jungen zur Welt.

Kanutour und Dschungelsafari

Früh am Morgen lohnt sich eine Kanufahrt auf dem Rapti oder Narayani Fluss. In kleinen, alten Holzboten, die aussehen wie ein ausgeholter Baumstamm mit provisorischen Stühlen, paddelt man in der morgendlichen stille vor sich hin. Hinter jeder neuen Flusskurve gibt es ein anderes Tier zu entdecken. Krokodile, die buntesten Vögel und das Highlight unserer Tour – ein riesiges Panzernashorn.


Anschließend unternahmen wir eine kurze Tour durch den Dschungel und konnten viele Rehherden, Wildschweine, bunte Papageien und den wunderschönen Kingfisher (Eisvogel) beobachten. Bei der Dschungelsafari zu Fuß empfiehlt es sich, nicht zu leuchtende Kleidung anzuziehen, um die Tiere nicht zu verscheuchen. Man hat zudem mehr Erfolg seltene Tiere zu entdecken, wenn man in einer kleinen Gruppe von bis zu 4 Personen durch den Dschungel streift. Und wer weiß, vielleicht habt ihr Glück und entdeckt einen der scheuen königlichen Bengal Tiger.

Elefantenaufzuchtstation und Elefantenbaden

Die Elefantenaufzuchtstation befindet sich ca. 3 km westlich von Sauraha. Unter hohen Palmenhäusern, werden hier kleine Elefanten mit ihrer Mutter gehalten. Die Babyelefanten laufen bis zu einer bestimmten Größe frei herum, die älteren Tiere sind hingegen am Fuß angekettet. Man erlebt die liebevolle Interaktion zwischen Mutter- und Babyelefant. Besuchen sollte man die Aufzuchtstation vor 10.30 Uhr oder nach 15.30 Uhr, da die Elefanten ansonsten mit ihrem Besitzer, den Mahouts, im Dschungel umherstreifen.

Täglich von 11 Uhr morgens bis in den späten Nachmittag kann man am Fluss des Sauraha Dorfes, am Hotel River Side, den Elefanten beim Baden zusehen – und wenn man mutig genug ist und eine kleine Gebühr bezahlt, die Elefanten selbst waschen. Wir sind uns nicht sicher, wer mehr Spaß hatte, wir oder der Elefant.




Elefantensafari Chitwan-Nationalpark

Ein ganz besonderes Erlebnis für uns war die Elefantensafari. Zuerst wussten wir nicht, ob wir den Elefanten das wirklich antun sollen. Durch Nachfragen haben wir erfahren, dass die Elefanten nur zum Zwecke des Tourismus gehalten werden und ansonsten wahrscheinlich freilebend wären. Sollte man das unterstützen? Wir entschieden uns dann doch dafür, um auch diese Erfahrung zu sammeln und darüber zu berichten. Durch unseren Guide erfuhren wir dann von den Tierschutzprojekten zum Schutz des Elefanten. Eine neue Haltungsart, bei der die Elefanten nicht mehr angebunden werden und täglich viele Stunden im Dschungel verbringen zeigt sehr gute Erfolge. Auch beim Elefantenritt selbst, verwendeten die Mahouts keine Peitschen und weisen den Elefanten den Weg durch graulen des Ohrs mit dem Fuß. Neben der täglich zu entrichtenden Nationalparkgebühr fallen für die Elefantensafari ungefähr 20 € an, plus Trinkgeld und Leckerrein für den Elefanten.

Ein Elefant transportiert 4 Touristen. Der 1-2 Stunden Ritt durch den Dschungel ist durch den Holzsitz und das Gewackel etwas unbequem. Man erlebt aber den Dschungel aus einer ganz anderen Perspektive. Überraschenderweise lief kein Tier mehr vor uns davon. Die Tiere sahen und rochen, wahrscheinlich durch die Höhe des Elefantenrückens, nur den Elefanten selbst und witterten keine Gefahr. Dies ermöglichte uns eine Nashornmutter mit ihrem Baby aus nächster Nähe zu beobachten. Auch die Rehe und Affen blieben einfach neben dem Elefanten stehen und akzeptieren uns. Letztendlich waren wir froh nicht darauf verzichtet zu haben, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Besichtigung eines Tharu-Dorfes und Tharu Kultur Show

In der Nähe von Sauraha befindet sich das Tharu-Dorf Bachhauli. Die Tharu sind ein uraltes, sehr traditionelles Volk und leben seit hunderten von Jahren ohne Modernität und westlichen Einfluss im Chitwan Nationalpark. Selbst bezeichnen sie sich als „Das Volk des Waldes“. In Großfamilien mit mehreren Generationen leben sie in Häusern, die aus Lehm, Grass und anderen natürlichen Materialen bestehen. Ein paar Luft- und Lichtlöcher waren erkennbar, aber generell existieren keine Fenster in den buntbemalten Häusern. Bekannt wurden die Tharu hautsächlich durch ihre geringe Anfälligkeit für Malaria. Bis 1960 war Chitwan noch von Malaria verseucht. Die Tharu sind im Gegensatz zu den anderen Volksgruppen der Umgebung sieben Mal weniger anfällig. Die Forschung begründet die Resistenz mit einer Genveränderung.

In Sauratha wird täglich ein einstündiger Tharu-Kulturtanz angeboten. Die Einheimischen Gäste waren sehr impulsiv und feierten mit den Akteuren ausgelassen. Der kulturelle Unterschied zwischen uns Europäern und der einheimischen Volksgruppe war aber zu groß, um den Tanz zu verstehen und genießen zu können.

Vogelbeobachtung

Früh am Morgen hat man die besten Chancen, einige der 450 Vogelarten des Chitwan Nationalparks zu beobachten. Unter anderem sind der Giant Hornbill, Lesser Frolic und der Paradies Flycatcher zu bestaunen. Uns hat der Eisvogel begeistert. Wir empfehlen euch ein Fernglas mitzunehmen und eine Kamera mit viel Zoom.




Fazit Chitwan-Nationalpark

Der Ausflug in den Chitwan Nationalpark war die lange, unbequeme Anreise Wert. Wir konnten Nepal neben Bergen, der lauten, vollen Großstadt, Tempeln und einem kleinen Seeort nochmal von einer ganz anderen Seite entdecken. Die Tiere in ihrer freien Wildbahn live zu sehen war atemberaubend. Wo sieht man sonst freilebende Panzernasshörner aus wenigen Metern Entfernung von einem Elefantenrücken?

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1 Comment

  1. Wir haben das gleiche Programm durch gemacht und als ich die Elefanten sah wie sie mit ihren Köpfen schaukeln wurde ich misstrauisch. Eine kurze Recherche noch im Hotel per Wifi hat mich sehr wütend gemacht: http://www.peta.de/nepalelefanten
    Entscheide selbst, ob Du Deinen Bericht so stehen lassen möchtest…

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