Ein kleines Land auf der malaysischen Insel Borneo, von einem Sultan wie aus 1001 Nacht regiert, der größte Palast der Welt und glänzende goldene Kuppeln von elfenbeinfarbenen Moscheen – das ist Brunei, mit der Hauptstadt Bandar Seri Begawan, die zu Deutsch übersetzt „Hafen des verehrten Herrschers“ heißt. Hört sich an wie ein Märchen, in gewisser weiße ist es das vielleicht auch. Der 29. Sultan zählt zu den reichsten Menschen der Welt. Durch das Öl- und Gasvorkommen des Landes schätzt man sein Vermögen auf über 20 Milliarden USD, die dieser durch „Shell“ eingenommen hat. Davon profitieren auch die ca. 440.000 Einwohner des kleinen Landes. Die Hälfte der Bevölkerung ist im gutverdienenden, öffentlichen Dienst beschäftigt, Krankheitskosten und der gesamte Bildungapparat ist kostenlos. Kein Wunder das fast alle fließend Englisch sprechen und uns Touristen immer ein Lächeln entgegenstrahlt.

Das Stadtbild

Bandar Seri Begawan ist die größte Stadt des kleinen Landes und mit seinen ungefähr 33.000 Einwohnern kam es uns eher wie ein Stadtdorf vor. Stress wirst du hier garantiert nicht vorfinden. Alles ist ruhig, gemächlich, lacht und scherzt. Das Stadtbild ist relativ vielfältig, auch wenn Bandar Seri Begawan zu einer der kleinsten Hauptstädten der Welt zählt und deswegen nicht sehr viel zu bieten hat. Moscheen, weiße Kolonialgebäude, weite Straßen, viele Palmen, ein schwimmendes Dorf und eine Uferpromenade machen die Hauptstadt des Landes aus.

Walking-Tour durch Bandar Seri Begawan

Eigentlich hatten wir zwei bis drei Tage für unseren Besuch in Brunei eingeplant. Schon am ersten Tag haben wir erkannt, dass alles an einem Tag ohne Zeitstress gesehen werden kann. UnserenTag in Bandar Seri Begawan teilten wir in eine Walkingtour durch die Stadt und einer anschließenden Bootsfahrt auf dem Brunei River ein. Unser erster Anlaufpunkt war der kleine Stadthafen und die dort befindliche Art Gallery. In dieser findest du eine Touristeninformation, die dich mit einer Stadtkarte versorgt und allen anderen notwendigen Informationen rund um die Hauptstadt Bruneis. Von dort aus liefen wir zur ersten Sehenswürdigkeit und der Hauptattraktion von Brunei.

Sultan Omar Ali Saifuddien Moschee

Die bekannteste Sehenswürdigkeit und das Wahrzeichen des Landes ist die Sultan Omar Ali Saifuddien Moschee. Schon bei der Fahrt in die Stadt wird sie deinen Blick auf sich ziehen. Das heiligste Gebäude der Stadt wurde 1985 für den 28. Sultan des Landes errichtet. In einer Lagune stehend, wurden islamische und italienische Bauweise in der Moschee vereint. Den schönsten Blick erhält man vom Perpuspaan Main Gate von der Uferpromenade der Moschee. Du solltest sie dir bei hellem Tageslicht, zur Dämmerung und bei Nacht anschauen. Das schöne Gebäude wechselt bei den unterschiedlichen Lichtverhältnissen jedes Mal sein Äußeres. Für Touristen ist die Moschee außer zu den Gebetszeiten auch im Inneren geöffnet. Am Vormittag solltest du deshalb lieber vor 12 Uhr dort sein. Auf lange Kleidung ist zu achten, aber am Eingang erhältst du auch einen Mantel. Frauen müssen auch nicht ihre Haare bedecken, also alles ganz locker in Brunei.

Taman Haji Sir Muda Omar Ali Saifuddien Park

In dem kleinem Park nahe der Omar Ali Moschee fand die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung Bruneis von Großbritannien statt. 1967 wurde die Regierung an den 29. Sultan Hassanal Bolkiah übergeben, der aber nur als Regierungschef tätig war. Dieser erreichte, die Unabhängigkeit Bruneis, die am 1. Januar 1984 in Kraft trat. Die Parkanlage ist eher eine große Veranstaltungswiese, die von einem verzierten blauen Tor am Eingang bewacht wird. Der jetzige 29. Jährige Sultan lachte uns von einem großen Plakat an.

Verwaltungsviertel und The Royal Regalia Building

Auf dem Weg zum Verwaltungsviertel kommst du noch am Time Piece Stone Monument vorbei. Vier Uhren zeigen auf einer Art „Wegweiser“ in alle Himmelsrichtungen. Auf der linken Straßenseite findest du dann ein paar Gebäude im Kolonialstil vor, die noch aus der Zeit der Britten stammen.

Weiter entlang der Straße ist ein sehr bekanntes Museum für Touristen eingerichtet wurden, das Royal Regalia Museum. Wir sind keine Museumsgänger, aber da wir genügend Zeit hatten, haben wir einen Blick hineingeworfen. Das Museum zeigt alles Mögliche von der königlichen Familie. Gewänder, Zepter, eine Nachbildung der Tonhalle, Staatsgeschenke und Bilder der Königsfamilie werden ausgestellt. An sich war es ganz interessant, du benötigst dafür aber nicht viel Zeit.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite findest du noch das Dewan Majlis and Lapau Gebäude vor. Der jetzige 29. Sultan wurde hier erzogen. Immer noch finden in der Halle königliche Zeremonien statt und ein Nachbau des Trones ist hier vorzufinden. Frauen müssen hier lange Kleidung tragen, um den Saal besichtigen zu können.

Chinesischer Tempel

Der kleine rote chinesische Tempel, in einer Seitenstraße vom Hafen, wirkt in der etwas kalten Fassade der großen Tiefgaragen ganz unbeholfen und unwirklich. Uns überraschte es, dass neben der Staatsreligion der Islam auch noch Buddhisten und Christen in Brunei zugelassen sind. Von den Einwohnern sind sogar 15 % Chinesen. 66% kommen aus Malaysia und der Rest aus der ganzen Welt. Der kleine Tempel ist eigentlich nichts Besonderes, aber ihn hier in Bandar Seri zu sehen macht ihn zu diesem.

Das war es schon mit dem Stadtrundgang. Wir haben mit Pausen und Museumsbesuch gerade einmal 2 Stunden dazu gebraucht. Die weitere Zeit könnt ihr noch etwas herumlaufen, ins Shoppingcenter am Park gehen oder einen Kaffee genießen. Weitere interessante Dinge hat die Stadt leider nicht zu bieten.

Bootstour in den Mangrovenwald zu den Nasenaffen und ins Water Village Kampong Ayer

Preis: Am Hafen von Bandar Seri, neben Sushi Restaurant, findet ihr jederzeit Bootsfahrer, die euch die Bootstour anbieten. Geht sicher, das alle Tourbestandteile enthalten sind. Wir haben 30 B$ für 2 Stunden bezahlt.

Wenn du in Bansar Seri bist, dann sollte eine Tour auf dem Brunei River zur Pflicht in deinem Aufenthalt werden. Bei dieser Tour entdeckst du das Land, welches eigentlich eins der reichsten der Welt ist, nochmal von einer ganz anderen Seite: Naturverbunden, traditionell und bescheiden.

Die Bootsfahrt bis zu den Mangrovenwäldern

Die Fahrt zu den Nasenaffen lohnt sich am Meisten am frühen morgen oder am späten Nachmittag kurz vor Sonnenuntergang, dann sind die Affen am aktivsten. Wir starteten unsere Tour 16.30 Uhr vom Hafen. Unsere Fahrt führte zuerst vorbei am Water Village und an der Sultan Omar Ali Saifuddien Moschee, auf die man vom Wasser aus eine ganz andere Sichtweise besaß.

Vom Brunei River aus, kann man auch das Dach des größten Palastes der Welt vom 29. Sultan erblicken (Istana Nurul Iman). Etwa 1700 Zimmer soll der Komplex aufweisen, zudem die größte, teuerste Autosammlung der Welt und natürlich die passende Autorennstrecke dazu. Wir sind ebenfalls zum Eingangstor des Palastes gelaufen, aber von dort aus konnten wir nichts erkennen. Vom Wasser erhältst du also den besten Blick auf das Sultansgebäude. Ein weiteres Gebäude wird euch aus der Ferne ins Auge stechen. Ein weiterer Palast erstrahlt auf einem Hügel wie ein majestetisches Barockgebäude. Unser Guide erklärte uns, dass dies der „Neue Palast“ sei und der Kronprinz darin lebt.

Der Mangrovenwald und die Nasenaffen

Nun ging es durch die Mangrovenwälder. Kaum zu glauben, dass wir vor ein paar Minuten noch in der Hauptstadt waren. Die Natur ist hier noch Wild und unberührt. Die Mangroven sind ein Baumgewächse, die sogar im Salz- und Sauerstoffarmen Wasser leben können, zur Landgewinnung genutzt werden und einen hohen Artenreichtum an Tieren aufweisen.

Kein Wunder das sich hier die Nasenaffen (Proboscis Monkey) nieder gelassen haben. Eine Sichtung der Tiere ist nicht garantiert, aber die meisten Touristen bekommen sie zu sehen. Die Nasenaffen sind in Borneo, Brunei und Sumatra einzigartig und auch im Zoo haben wir sie noch nie gesehen. Leider sind die wildlebenden Tiere ziemlich scheu und du wirst sie deshalb wohl kaum aus nächster Nähe sehen, aber ein Paar Blicke auf die langen Nasen wirst du trotzdem erhaschen können. Nimm deshalb unbedingt ein Fernglas mit! Nach ca. einer Stunde Fahrt und das Beobachten der Nasenaffen, ging es auch schon zurück.

Das Water Village Kampong Ayer

Wir baten dem Bootsführer uns am Wasser Village Kampong Ayer rauszulassen und uns in 30 Minuten wieder abzuholen. Der einzige Weg in das Water Village führt übers Wasser mit den Wassertaxis. Das Dorf besteht aus Holzhäusern, die auf Stelzen im Wasser stehen. Für die Einheimischen ist das die traditionelle Art zu leben. Schon vom Wasser aus kann man den Unterschied zwischen Reich und Arm erkennen. Die Häuser sehen teilweise ziemlich erbärmlich aus, aber in Brunei muss durch die Staatlichen Hilfen keiner in solcher Armut leben, der das nicht will. Die Menschen sind sehr traditionell, bescheiden und streben nicht nach Luxus. Uns kam es so vor, dass sie mit dem zufrieden sind was sie haben. Der vordere Abschnitt im Water Village besteht teilweise aus neu gebauten, modernen Häusern, sogar eine Moschee findest du dort.

Der Unterschied zwischen arm und reich wird noch deutlicher wenn ihr quer durch das Water Village lauft. Grundsätzlich kann man sagen, je tiefer man in das Water Villag Kampong Ayer läuft, desto ärmlicher sehen die Häuser aus. Aber auch dort findest du sehr schön gepflegte Häuser. Vom hinteren Ende des Water Village besitzt du außerdem einen guten Blick auf die große Brücke, mit ihrer goldenen Kuppel. Nach Zwei Stunden endete unsere Tour und wir erreichten wir den Hafen von Bandar Seri Begawan.

Was du sonst noch über Brunei wissen solltest

  • Es gibt kein Alkohol und keine Zigaretten zu kaufen.
  • Die Kleiderordnung für Frauen ist eher locker gehalten, vor allem für Touristen. Manche laufen in Shorts herum und ich musste nicht mal meine Haare in der Moschee bedecken.
  • Die Touristeninformation am Hafen ist sehr Informativ und händigt euch alle Stadtarten und Informationen aus.
  • Für keine der in unserem Blog aufgeführten Sehenswürdigkeiten musst du Eintritt zahlen

Unterkunft

In Brunei sind die Unterkünfte etwas teurer als in Malaysia und leider sind auch nicht so viele Hotels vorhanden. Wir hatten uns für das LeGallery Suites Hotel entschieden. Etwa 31 Euro kostete hier ein Doppelzimmer. Durch die Bewertungen bei Agoda und Booking.com erwarteten wir nicht zu viel und wurden überrascht. Das Hotel ist mit einem Ibis Hotel vergleichbar. Die Lage war auch recht gut, da hier die Anzahl an Restaurants im Verhältnis zum Stadtzentrum recht hoch ist. Ein Supermarkt und eine Bäckerei waren gleich um die Ecke. Zwar ist das Hotel ca. 2 km vom Stadtzentrum entfernt, aber ein Shuttlebus für 1 B$ fährt aller 10 Minuten von der nah gelegenen Bushaltestelle ab.

Anreise

Es gibt drei Möglichkeiten nach Brunei zu gelangen. Die einfachste und teuerste ist Fliegen. Als zweites kann man überlegen mit der Fähre zu fahren. Für 8,50 € kommt man von Kota Kinabalu zur Duty free Insel Labuan. Dort erhältst du den Einreisestempel für Brunei. Wenn du die Fähre von Kota Kinabalu um 8.30 Uhr genommen hast, kannst du 13 Uhr von Labuan nach Brunei für ca. 12 € weiterfahren. Aber Achtung, die Zeiten für die Fähren können sich auch ändern! Nach 3 Stunden fahrt bist du in Brunei. Vom Serasa Ferry Terminal sind es dann noch 30 Minuten bis nach Bandar Seri mit dem Bus oder dem Taxi.

Die dritte Möglichkeit ist der Bus, den wir bevorzugt haben. Vom Zentralem Busbahnhof in Kota Kinabalu, sind wir 8 Uhr mit dem Bus gestartet. Das Ticker kann man über easybus.com kaufen oder direkt vor der Abfahrt am Busterminal. Die Fahrt in den Reisebusen, ging durch die aktuellen Kinofilme wie Baywarch oder Wunderwomen schnell rum. Nervig war nur, das wir 8 Mal bei den Grenzkontrollen raus mussten und auch 8 Stempel bekommen haben. Zuerst nach Sarawak, ein eigenständiges Territorium in Borneo, dann fuhren wir in einen Zwischenabschnitt Brunei, dann wieder nach Sarawak und endlich wieder nach Brunei. Insgesamt zahlten wir 20 € p.P. (100 MYR) für die Hinfahrt. Der Bus stoppt nach ca. 8 Stunden Fahrt, am Hafen im Zentrum. Wir wurden aber bereits an der Bushaltestelle unseres Hotels rausgelassen.

Für die Rückfahrt nach Kota Kinabalu kannst du vor 8 Uhr den Bus zum Hafen in Banda Seri nehmen. 8 Uhr fährt dort täglich der Langstreckenbus ab. Da du hier in Brunei Dollar zahlst, kostet dich die Fahrt ca. 28 € oder du buchst viva easybus.com die Tickets im Voraus.

Fazit zu Brunei

Das Königreich Brunei, ein Land das so fast keiner kennt und selten erwähnt wird, hat uns schon sehr neugierig gemacht. Leider war es aber nicht so sehenswert wie erwartet. Viel zu sehen gibt es leider nicht. Das Water Village, die Nasenaffen und die große Moschee waren die einzigen Highlights. An einem Tag schaffst du die ganze Stadt. Trotzdem fanden wir unseren Besuch lohnenswert, denn Brunei besitzt schon seine eigene Atmosphäre und super nette Menschen, die gar nicht so übertrieben religiös sind, aber doch sehr auf ihre alten Traditionen bedacht. Hast du genügend Zeit auf deiner Reise, dann ist ein Abstecher in dieses kleine Land und seine eigene Welt lohnenswert. Wenn ihr noch mehr wissen wollt über den Sultan und seinen unendlichen Reichtum, dann schaut doch mal hier vorbei.

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